Mongolei – Tag 4 – 100% Mongol Rally

Mongolei – Tag 4 – 100% Mongol Rally

In der Mongolei sind die Regale in den Einkaufsläden häufig mit der deutschen Premiummarke: Gut & Günstig gefüllt…

Heute standen 390km auf der Tagesagenda. Von einem anderen Team hatten wir bereits erfahren, dass die Strecke nicht ohne ist und 250km Schotterpiste auf uns warteten. Da mit einem langen Tag zu rechnen war, starteten wir früh, 6:30Uhr waren wir on the road.

Es gab einen Hauptweg, der eine ziemliche Wellblechpiste war und zig andere kleinere Wege die parallel durch die Walachei führten. Ganz so schlecht waren die Wege nicht, wir hatten wie immer einen flotten Fahrstil.

Nach den ersten 100km off-road machten wir einen Fotostop auf einem Hügel mit einer tollen Aussicht…

… als wir merkten – oh fuck, dass sieht nach einer undichten Stelle aus… dabei wurde die Ölwanne doch erst vor zwei Tagen geflickt.

Die Flicken waren noch gut, die Ölwanne hatte durch das unpassende Gelände zwei weitere Risse bekommen und die nächste Stadt war 160km entfernt.

Wir flickten die Ölwanne von außen so gut wie möglich mit ein paar Kleberesten, Überbleibsel vom letzten Flicken. Während der Kleber trocknete spielten wir ein bisschen im Gelände mit “Team Mayo to Mongolia” und “Team Smashed Avocado”.

So viele Wege – alle mit demselben Ziel. So weiter gehts im Zickzack, diesmal langsam fahren und aufpassen!

Wenige Minuten später….

Ok, mit so einem großen Ölverlust konnten wir natürlich nicht weiterfahren. Team Smashed Avocado, unsere Helden aus Australien, erklärten sich bereit uns kurz abzuschleppen mit ihrem Opel Meriva (1.2L) – bis in die nächste Stadt – 155km entfernt – durchs offene Gelände. Natürlich gab es Top Support durch unsere Lieblings-Iren vom Team Mayo to Mongolia, die immer wieder vorausfuhren, die Strecke auf Abschlepptauglichkeit auskundschafteten und uns die letzten Kilometer abschleppten, als der Meriva von Team Smashed Avocado anfing zu schlapp zu machen. (Hinweis: Der Teamname Mayo hat nichts mit Pommes oder Ketchup zu tun, die Gegend in Irland wo die herkommen, heißt so.) 

Auf der rechten Seite sieht man den Highway, der gerade gebaut wird aber natürlich nicht zugänglich ist und links die ganzen Feldwege.

Wir haben natürlich immer Lücken gesucht um irgendwie auf den Highway zu kommen, um wenigstens ein paar Kilometer angenehm fahren zu können bzw. abgeschleppt zu werden. Leider wurde dies immer wieder durch riesige Erdhaufen, die den Weg versperrten, unterbunden. Meistens bedeutete dies, umdrehen und zurückfahren.

Das schwierigste war das Abschleppen bergab. Da wir unseren Motor nicht laufen lassen konnten, funktionierten die Bremsen nicht wirklich und es stand nur die Handbremse zur Verfügung. Klar, dass bei einer Abschleppgeschwindigkeit von 20-60kmh ein Bremsweg von 2-3m Abschleppseil nicht ausreicht, besonders ohne nicht wirklich funktionierende Bremsen. Daher ist unser Auto nun vorne ein wenig zerbeult. Für eine größere Abfahrt trennten wir die Verbindung und rollten mehrere Kilometer geräuschlos ins Tal.

Durch das ungleichmäßige Ziehen durchs Gelände war unser Abschleppseil-Verschleiß nicht gerade gering. Wir verbrauchten alle vier verfügbaren Abschleppseile, welche immer wieder rissen und zusammengeknotet wurden: 35 mal.

Ein platter Reifen darf an so einem Tag natürlich nicht fehlen.

Irgendwann war dann natürlich noch die Autobatterie leer und wir wurden ohne Licht und Heizung in die dunkle, kalte Nacht hineingezogen.

Abgeschleppt werden unter einem der schönsten Nachthimmel, die ich bis jetzt gesehen habe. Leider ist mein Stativ gebrochen und ich hatte keine Zeit um ein anständiges Foto zu machen. Hatte immer nur 2-3 Min Zeit (wenn mal das Abschleppseil riss) und bei 25 Sekunden Belichtungszeit… ist das nicht viel. Aber immerhin kriegt ihr einen kleinen Eindruck :).

Endlich, nach Stunden des Abschleppens durch die Dunkelheit, konnte wir endlich die Lichter der Stadt erkennen. Doch der Eindruck kann täuschen, von dem Zeitpunkt des Fotos bis zum Erreichen der Stadt brauchten wir ca. 1,5-2 Stunden. Ohne anständige Straßen, mehrmals umdrehen und die Lücken im Gelände finden. Mit einem Land Cruiser querfeldein ist das sicher kein Problem aber unsere Rennmaschine ist eher für flaches Geländer ausgelegt.

Wir erreichten unsere Unterkunft gegen 22:30Uhr. Nach 16 Stunden im Auto, davon ca. die Hälfte am Abschleppseil. 1000 dank nochmal an Team Smashed Avocado und Team Mayo To Mongolia, ohne euch hätten wir das garantiert nicht geschafft! Noch geplante 4 Tage und 1263Km bis zur Ziellinie, hoffentlich kriegen wir unser Auto schnell wieder fahrtüchtig gemacht.


2 Gedanken zu „Mongolei – Tag 4 – 100% Mongol Rally

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